Samstag, Oktober 15, 2005

Dienstag: Stadt aus Stein / Arba'a shisha, arba'a shai

Von Aqaba aus fahren wir mit dem Minibus nach Wadi Mousa, dem Staedtchen neben Petra, der weltberuehmten Stadt aus Stein. Petra war eine Stadt der Nabataeer, erbaut etwa drei Jahrhunderte vor Christus, zerstoert 555 bei einem schweren Erdbeben.

Petra ist Anwaerterin auf einen Platz unter den modernen sieben Weltwundern - und das voellig zu recht. Der Weg in die Stadt beziehungsweise ihre Ueberrreste fuehrt durch eine lange und enge Schlucht, die entstanden ist, als tektonische Kraefte den Fels auseinanderrissen. Eine Stadt mit einem solchen Zugang ist wohl uneinnehmbar. Nach mehr als einem Kilometer Weg durch die majestaetische, verwinkelte Schlucht gibt sie ploetzlich den Blick frei auf Petras Wahrzeichen, den so genannten Schatz des Pharaos. Ein Tempel, dessen griechisch inspirierte, 30 Meter hohe Fassade in den Fels gemeisselt wurde. Fuer all jene, die "Indiana Jones and The Last Crusade" gesehen haben: Der Showdown des Films wurde genau hier gedreht.

Die Sehenswuerdigkeiten in Petra erschoepfen sich aber nicht in diesem einen beruehmten Wahrzeichen, dessen Zweck nach wie vor nicht genau geklaert ist (vermutlich ist es ein Mausoleum). Bei unserem Besuch zieht auch eine Film-Crew aus Indien, die vor den Ruinen Tanzszenen dreht, viel Aufmerksamkeit auf sich. Die Stadt selber muss riesig gewesen sein, verschiedene in den Stein gehauene Gebaeude und Graeber sind noch tadellos erhalten.

Weil Petra eine Attraktion und Wadi Mousa dementsprechend touristisch ist, wollen wir noch am selben Tag nach Amman, der Hauptstadt Jordaniens fahren. Wir nehmen ein Taxi nach Ma'an, der naechsten groesseren Stadt, essen dort zuerst etwas (es ist eben erst halb sechs vorbei, und die Taxifahrer sind sowieso alle auch am Essen) und finden dann einen, der uns fuer 20 Dinar (etwa 35 Franken) die knapp 250 Kilometer lange Strecke nach Amman faehrt. In den zweieinhalb Stunden, in denen wir unterwegs sind, versucht die Frau unseres Fahrers 57-mal (ja, wir haben gezaehlt), ihren Mann auf seinem Handy anzurufen, und er nimmt 57-mal nicht ab.

In Amman suchen wir einen Ort, wo wir unser dringendes Beduerfnis nach Wasserpfeifen stillen koennen, und finden nicht weit von unserem Hotel ein kleines Kaffee, wo wir das Uebliche bestellen (koennen wir inzwischen auf arabisch): "Arba'a shisha, arba'a shai" - Vier Shishas, vier Tee. Kurz darauf sitzen auch Amin, der etwa 80-jaehrige Manager des Kaffees, sein Freund Jamil und ein weiterer Gast bei uns. Wir unterhalten uns angeregt bis etwa ein Uhr morgens.