Donnerstag, Oktober 06, 2005

Mittwoch: Keine Alitalia, Ramadan und Joseph

Wir haben einen Flug mit Alitalia gebucht, aus Kostengruenden. Zuerich-Rom, dann Rom-Cairo. Man hat uns gewarnt, Alitalia sei unzuverlaessig, es koennte Streiks geben. Wir haben nicht gehoert.

Als wir am Mittwochmorgen um 5:15 Uhr am Zuercher Flughafen ankommen, sind bei unserem ersten Flug bereits eineinhalb Stunden Verspaetung angegeben. Der Check-In schickt uns zum Alitalia-Schalter, wo wir abklaeren sollen, ob wir unseren Anschluss ueberhaupt noch schaffen werden. Der Schalter oeffnet erst gerade, und wir kommen zum Glueck kurz vor der grossen Meute, die wegen dem annullierten Flug nach Mailand sehr aufgebracht ist, dort an.
Die Angestellte am Alitalia-Schalter hat sichtlich schlechte Laune, was bei dem Chaos so frueh am Morgen ja irgendwie verstaendlich ist. Wir geben uns also betont verstaendnisvoll und mitleidig. Wir seien nicht umgebucht worden, sagt sie, und dann nach kurzem Ueberlegen: "Ach was. Ich mach es einfach und buche euch auf den Swiss-Direktflug von Zuerich nach Kairo."
Gesagt, getan. Mit einem Alitalia-Gutschein stolzieren wir zum Swiss-Check-In, und weil wir die Ersten sind, die Einchecken, bekommen wir erst noch die besten Plaetze. Daraufhin schlagen wir uns die kommenden drei Stunden am Flughafen um die Ohren, bevor wir in einem halbleeren Swiss-Flieger abheben. Fazit: Naechstes Mal buchen wir wieder Alitalia - und hoffen, dass die Maschine Verspaetung hat.

In Kairo ist es knapp 30 Grad, wir rumpeln mit einem der niedlichen schwarz-weissen Kairener Taxis vom Flughafen in die Stadt, und tatsaechlich ist etwas anders als das letzte Mal, als ich hier war: Man sieht niemanden auf der Strasse rauchen. In einem Land, wo zumindest die Maenner praktisch alle rauchen, faellt so etwas auf.

Gegen fuenf Uhr nachmittags sind wir dann wieder auf der Strasse, und es liegt Spannung in der Luft. In den Strassen-Restaurants und Cafes sitzen die Gaeste vor einem Stueck Fladenbrot und einem Glas Wasser, aber keiner ruehrt etwas an. Alle warten darauf, dass die Fastenzeit des Tages zu Ende geht. Um halb sechs hat es keinen Verkehr mehr auf den Strassen und niemand ist zu Fuss unterwegs - alle beginnen nun zu essen.

Wir treffen inzwischen Joseph, den Fabian und ich vergangenen Januar in Hurghada kennengelernt haben, wo Joseph in einem Kleiderladen arbeitet. Nun ist er extra nach Cairo gereist, um uns zu treffen. Wir schenken uns gegenseitig Klischees: Joesph uebergibt uns einen ganzen Sack voll Papyri, von uns bekommt er ein paar Tafeln Schweizer Schokolade.

Danach ziehen wir durch die Stadt, die nun kaum wiederzuerkennen ist: Alle Essenstaende produzieren auf Hochtouren, und wir verkoestigen uns mit Falafel, Fuul (eine Paste aus braunen Bohnen, im Fladenbrot), Shwarma, Shis Kebab und klebrigen Suessigkeiten, trinken Tamarinde- und Granatapfelsaft, Karkade- und Pfefferminztee und Sahleb, ein warmes dickfluessiges Milchgetraenk mit Nuessen und Fruechten.

Und wir rauchen Shisha. Sie schmecken einfach besser hier.